Die Ordnung der Bildung: Beiträge zu einer Genealogie der by Norbert Ricken

By Norbert Ricken

Dass Bildung und Macht miteinander zusammenhängen und einander bedingen, ist offensichtlich; wie aber das Verhältnis beider genauer justiert werden muss, ist weithin umstritten und oszilliert meist zwischen Widerspruch und Funktionsbedingung. Vor diesem Hintergrund unternehmen die Studien zur Ordnung der Bildung eine machttheoretische Lektüre der Idee der Bildung und eröffnen einen irritierenden Blick in die Macht der Bildung. Kernstück ist dabei eine Auseinandersetzung mit den Überlegungen Michel Foucaults, in der Bildung als eine spezifische Strategie der ‚Führung der Führungen' (Foucault) gelesen und insofern als eine der zentralen modernen Mechanismen der Formation von Subjektivität analysiert wird.

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Zufälliges Bewirken ist weder machtvoll noch in seiner Kausalität eindeutig bestimmbar7. Nur folgerichtig gilt Macht gemeinhin daher als ein Mittel zu anderen Zwecken, so dass, wer sie als Zweck an sich selbst praktiziert, mit ‘schiefen Blicken’ und moralischer Verurteilung rechnen muss. Damit eng verknüpft ist viertens eine durchgängige Dualität und Oppositionalität der Begriffsstruktur: Macht wird nahezu ausschließlich als “Freiheitsbegrenzung” (Popitz 1992, 17) und Beeinträchtigung in ausdrücklicher Opposition zu Freiheit konzipiert, damit in ein Kontinuum mehr oder weniger großer Unfreiheit gestellt und dann allzu leicht mit Herrschaft, Gewalt und Zwang in Verbindung gebracht und bisweilen sogar synonym verwandt: Gewalt – so die beanspruchte Logik – ist dann nichts anderes als “gesteigerte Macht” (Schwartländer 1973, 869) und “die Erscheinung der Macht oder die Macht als Äußerliches” (Hegel, zit.

Der alltagssprachlichen Bedeutung an. Station 1: Bedeutungsmuster und Begriffsgeschichte 39 als soziale Ungleichheit thematisierbar werden und immer eine ökonomische Bedeutung enthalten; ihre Nähe zu Formen institutionalisierter Herrschaft ist damit angebahnt. Wie aber Macht alltagsweltlich erklärt, worauf sie gegründet und wie sie auf Menschen und ihre Konstitution rückbezogen wird, bleibt ebenso umstritten wie oberflächlich; auffällig ist aber, dass eher schlichte Modelle – wie etwa ‘Macht als Trieb’ oder ‘Macht als Zielsetzung’ – dominieren8.

Zweierlei Folgen dieser machttheoretischen Weichenstellung sind bedeutsam und bestimmen in ihrer substantialen Denkform das Nachdenken über (politische) Macht: einerseits muss Macht, will sie legitime Macht und nicht bloß willkürliche Gewalt sein, auf einen ihr zugrundeliegenden, seinerseits nicht weiter ableitbaren Ursprung – eine “Ur-Ursächlichkeit” (Röttgers 1990, 93) sozusagen – zurückgeführt werden können, so dass faktische Macht schließlich als “Prozeß der Verwirklichung” (Röttgers 1990, 89) ihres Ursprungs gedacht und normativ geklärt werden kann.

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